Donnerstag, 10. August 2017

Probe-Shirt in Grün

Eigentlich sollte es eher rot werden. 
Weil da nämlich neuerdings so schöne rote Bio-Jerseys aus deutscher Produktion im Stoffe-Schrank liegen und zu Sommershirts werden möchten...

Da stellte sich mal wieder die Frage nach dem Schnitt. 
Meine selbstgenähten Wintershirts haben sich unterm Pulli bewährt und tragen sich schön. Mittlerweile finde ich allerdings, dass es da an der Passform, besonders an den Armausschnitten, durchaus noch Verbesserungspotential gibt. Die Nähte könnten ein bisschen mehr nach innen. 

Also probierte ich einen neuen Schnitt aus: Die Nr.2 aus Ottobre Women 2/2016. 
Ich ließ mich von einer Freundin neu vermessen und staunte nicht schlecht über das Ergebnis, das in allen Maßen exakt mit einer Größe übereinstimmte, die ich hier lieber nicht nenne. 
Jedenfalls maß ich dann die Schnittteile aus, verglich sie mit den Wintershirts sowie Kauf-Shirts und kann zu dem Ergebnis, dass dieses Shirt im fertigen Zustand an mir hängen müsse wie ein Sack. 
Dabei sieht es am Model im Heft eigentlich nicht nach Großraumshirt aus.  

Nach einigen Grübeleien über Echtmaße und Bequemlichkeitszugaben entschied ich mich, 
- das Shirt zwei ganze Größen kleiner zu nähen. 
- ein Probeshirt zu machen, bevor ich in meine neuen Jerseys schneide. 

Der hierfür auserkorene Stoff stammt noch aus den Kleinkindertagen meiner Kids und hätte seinerzeit mal Kinderkleidung werden sollen. Bei einer Vorwäsche bekam er seltsame, batikartige Flecken, die ich im unteren Bereich des Shirts angeordnet habe und hiermit zum Designelement erkläre. 

Memo: 
Stoff: leichter Sommersweat, reine Baumwolle, relativ wenig elastisch
Schnitt Nr. 2 aus Ottobre 2/2016, Gr 46, ohne Änderungen
Schließnähte: Overlock; Halsausschnittkante festnähen: Janome; 
Säume/Zwillingsnähte: Pfaff 260
Beim Umnähen erinnerte ich mich an die begeisterten Ausrufe meiner Nichte (gelernte Maßschneiderin), beim Anblick des Führungslineals in der Zubehörkiste meiner Pfaff: 
"Voll geiles Teil – Säume nie wieder ohne", oder so ähnlich sprach sie. 
So habe ich dieses altmodisch anmutende Tool, das sich schon seit jeher in meinem Nähzubehör befindet, jetzt erstmals ausprobiert. 
Ich kann die Begeisterung meiner Nichte verstehen. Es kam hier sicher nicht zum letzen Mal zum Einsatz. 

Und wie finde ich nun den Schnitt? 
Also: größer hätte das Shirt sicher nicht werden müssen. Das passt schon. Die Schulten sind da, wo sie hingehören und alles hat Platz. 
Es trägt sich angenehm und kneift nirgends. 

Wenn ich mir das Tragefoto so anschaue, dann schreit es allerdings nach Brust-Abnähern, was irgendwie in der Natur des Sache liegt. 
Nur mag ich Brustabnäher in dünnen Shirt-Stoffen nicht so gerne. Die stören mich irgendwie. 
Die Jerseys, die ich eigentlich für dieses Shirt vorgesehen hatte, sind allerdings deutlich elastischer und werden sich wieder anders verhalten. Mal sehen, wann ich beherzt zur Schere greife..... 
(Gestern blätterte ich eine neue Nähzeitschrift durch. Da hatten sämtliche T-Shirt-Trägerinnen Falten in abnäherlosen Shirts. Es scheint also viele Leute nicht zu stören. Vielleicht ist es auch gerade Mode?



Mittwoch, 9. August 2017

words on Wednesday


Hab ich neulich irgendwo gelesen. 
Manchmal will ich so viel, dass ich vor lauter wollen nicht zum machen komme. 

Donnerstag, 3. August 2017

Die Zwillingsnadel, die Paff 260 und das T-Shirt



An den Rändern eines Shirts wollte ich gerne eine sehr schlichte Naht haben. 
Also nahm ich das zum Anlass, mich mal mit der Stretch-Zwillingsnadel zu beschäftigen. 

Frühere Versuche auf der Janome zeigten, dass sich hier die Fadenspannungen nicht so regulieren ließen, dass sich eine dehnbare Naht ergibt. Man müsste die Unterfadenspannung lockern und das ist an der modernen Maschine nicht vorgesehen. Ich hätte auch Sorge, zu "verschrauben" und mir damit ein neues Problemfeld aufzutun. 
Also lasse ich das. 

Bei der alten Paff ist das anders. Da gehört die Einstellung beider Fadenspannungen, also Oberfaden (OFS) und Unterfaden (UFS) zu den Grundlagen in der Handhabung der Maschine, wird in der Bedienungsanleitung entsprechend beschrieben und ist vergleichsweise unkompliziert. Außerdem will es der Zufall, dass sich in meinem Nähmaschinenkrimskrams sogar noch eine überzählige Spulenkapsel für die Pfaff 260 herumtreibt, die ich extra für diesen Zweck eingestellt lassen kann, wenn ich will.  
Also probiere ich das mal aus. 

Versuchsanordnung: 
Der Stoff ist ein leichter Sommersweat aus Baumwolle, nicht übermäßig dehnbar. 

Das Ziel ist eine Naht, die auf der Vorderseite zwei parallele Linien und auf der Rückseite eine Art Zickzack aufweist, was der Naht ein gewisses Maß an Elastizität verleihen soll. 
Außerdem soll sich zwischen den beiden Nähten keine "Biese", also keine erhabene Wurst, bilden und zuguterletzt soll der Stoff beim Nähen nicht gedehnt und dadurch gewellt werden. 
Genäht wird natürlich von der rechten Seite. 

Zunächst habe ich mit den vorhandenen Voreinstellungen experimentiert und ausprobiert, wie sich verschiedene OFS und die Postion der Naht auf den beiden Stofflagen auswirken.  

Versuch 1: 
OFS 8, UFS unverändert, Naht so, dass die Kante auf der Unterseite eher zwischen den beiden Stepplinien liegt: 
-> oben: gut; unten: gut; Biese: deutlich vorhanden; Stoff gewellt, 
Insgesamt aber gar nicht so schlecht. 

Versuch 2: OFS 6, UFS unverändert, Naht komplett auf beiden Stofflagen: 
-> oben: gut; unten: schlecht, Unterfaden viel zu gerade!; Biese: kaum vorhanden; Stoff gewellt, (rechte Naht im Foto)
Insgesamt schlechter als 1.  

3. Versuch: Versuch 2: OFS 8, UFS unverändert, Naht komplett auf beiden Stofflagen: 
-> oben: gut; unten: schlecht, Unterfaden immer noch zu gerade; Biese: etwas vorhanden; Stoff gewellt, 
Insgesamt schlechter als 1.  

weitere Versuche: 
Jetzt geht's an die Unterfadenspannung. Sie muss schwächer eingestellt werden, damit der Unterfaden die beiden Oberfäden und den Stoff nicht zusammenzieht. Um sie zu verstellen wird an dem dafür vorgesehenen Schräubchen an der Spulenkapsel gedreht. Ich habe mehrere Probestücke in verschiedenen Einstellungen genäht, bis ich zufrieden war. 

Außerdem habe ich mir den Nähfußdruck vorgenommen. 
Den kenne ich schon, denn als die Maschine seinerzeit zu mir kam, war die Einstellmöglichkeit bis zum Anschlag in die Maschine hineingedreht, so dass sich quasi jeder Stoff beim Nähen wellte, egal wie dick er war. Möglicherweise war da mal jemand der Meinung gewesen, dass es sich bei dieser "Einsteckmöglichkeit für einen Schraubendreher" um eine Schraube handelt, die in jedem Falle fest angezogen gehört. 
(Das rote Dings im oberen Bildteil.)
Nein, das ist keine Schraube i.e.S. sondern das Tool, mit dem man den Nähfußdruck verändern kann. Es befindet sich unter dem Deckel im vorderen Teil des Nähmaschinenkopfes, also quasi ganz oben über dem Nähfuß. 
Ich habe die "Schraube" vier vollständige Umdrehungen weit herausgedreht. Dadurch wird der Stoff weniger stark nach unten gedrückt. 
4. Versuch: OFS 6,5, UFS gelockert; Nähfußdruck gelockert
-> oben: gut; unten: gut, Unterfaden im Zickzack; Biese: kaum vorhanden; Stoff kommt ohne Wellen aus der Maschine 
So. Und am Ende war ich mit der Naht zufrieden. So ziemlich jedenfalls.... Vielleicht könnte man das nächste Mal sogar noch ein bisschen mehr Spannung bei bei OFS und UFS rausnehmen......

Memo: 




Montag, 31. Juli 2017

Eine neue alte Sommerbluse aus Cupro

Sie fiel mir in die Hände, als ich mal wieder Kleidung aus noch immer vorhandenen Beständen meiner Mutter aussortierte. Die Bluse hatte eine hübsche Farbe und fühlte sich kühl und glatt an. Weil ich gerade eine neue Sommerbluse brauchen konnte, schlüpfte ich einfach mal rein, obwohl ich diese Art Kragen nicht leiden kann. 

Zufällig passte mir die Bluse gar nicht mal so schlecht. 

Sie besteht aus "Cupro". Das ist eine Kunstseide, deren Herstellung sehr umweltunfreundlich gewesen sein soll und die schon länger aus der Mode ist. 

So ein Gewand würde ich mir selbst nie kaufen. Aber nun ist die Bluse schon mal vorhanden und derzeit nutzlos. 
Darum ersparte ich mir eine lästige Shoppingtour – ich gehe sehr ungern neue Klamotten kaufen – und griff lieber zur Schere, um den blöden Kragen abzuschneiden und mit dieser Maßnahme die Bluse für mich tragbar zu machen und dem Kleidungsstück eine zweite Chance zu geben. 

Außerdem hätte das Projekt gleich ein neues Versuchsfeld für meine moderne Nähmaschine werden sollen. 

Allerdings erwies sich der Stoff dann beim Schneiden und Umlegen als äußerst flutschig und rutschig und schwierig zu handhaben. Außerdem hatte ich ja kaum nennenswertes Material für Nähproben zur Verfügung. 
Eigentlich musste die Naht auf Anhieb klappen. 
So nähte ich dann die paar Zentimeter doch lieber mal eben stressfrei auf der guten alten Pfaff 260 runter.
So, dann schau ma mal, wie sich diese Bluse bewährt. 
Zum Glück ist es ja jetzt doch noch mal Sommer geworden. 

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Samstag, 22. Juli 2017

Pyjamahose III



.... eine Multifunktionshose sozusagen. 

Denn neben ihrer Funktion als Schlafanzugunterteil diente sich auch noch 

- zum Stashabbau: Der Baumwolljersey war in jenen Tagen im Schrank liegen geblieben, in denen ich für die Kleinen Shirts nähte und wartet seither auf Verwendung.  

- als "Jersey-Test" für meine zurückgekehrte Janome. 
Mein Eindruck: Sie hat es genäht und man kann damit leben, aber Begeisterungsstürme löst weder das Nähen an sich noch das Ergebnis aus. 
Man muss relativ langsam nähen, damit sich die Maschine nicht verschluckt und damit sie den Stoff nicht verschluckt. 
Vielleicht bin ich einfach zu anspruchsvoll und meine Erwartungen sind zu hoch und ich hätte doch Saumfix dazwischen bügeln sollen, so wie hier....  
Immerhin hat sie ordentlich über die Nahtkreuzungen genäht. Das ist viel besser als vorher. Auch das Nähgeräusch ist ruhiger und der rumpelnd-grummelnde Grund-Sound von früher ist nicht mehr da.
  


Sehr entspannend war dagegen das Schließen der Seiten- und Schritt-Nähte mit meiner guten alten Overlock. Wie schön kann Nähen sein, wenn man sich einfach an die Maschine setzt, nach 5cm Probenaht den zugeschnittenen Stoff drunterhält und nach wenigen Minuten ein ordentlich genähtes Stück in Händen hält.... 

Memo: 
Stoff: Jersey 100% BW
Schnitt: der Bewährte aus Burda 11/98,  siehe auch hier
Garn: Polyester-Allesnäher
Schließnähte: 
Overlock (neue Reihenfolge: erst Schrittnähte, weil der Stoff nach dem Zuschneiden eh schon richtig lag.... sehr praktisch!)
Säume und Bund (vorher mit Klebestift fixiert)
Janome, Jersey-Nadel 80, Stich 2/20, Fuß F, Füßchendruck 2-3 


Dienstag, 18. Juli 2017

Die Nähmaschine Privileg 865

Es war wohl im Sommer 2008 oder 2009, dass wir auf einem Flohmarkt über diese schöne Nähmaschine stolperten. Sie lief tadellos und war genau richtig für Tochters erste eigenständige Nähversuche. 
Bevor ich die Maschine neulich verschenkt habe, habe ich noch einmal alles geölt und gecheckt und es gab noch eine kleine Fotosession: 

Die Maschine hat eine gute Stichauswahl: 
Mit "N" kann man Geradstich und Zickzack nähen. 
Das Drehrad rechts oben regelt die Stichlänge von 0-5mm, der weiße Knopf in der Mitte wird zum Rückwärtsnähen gedrückt. 
Der Hebel darunter stellt die Stichbreite ein. Mittels der beiden Knöpfe rechts und links kann man den Zickzack stufenlos in jeder Breite bis zu 5mm festlegen. Mann kann den Zickzackhebel aber auch "während der Fahrt" betätigen und dadurch hübsche Muster nähen (Foto unten). Das geht durch die Anordnung des Hebels sehr gut. 
Mit "LMR" lässt sich durch eine Drehung des Rades die Nadelposition verstellen (links- rechts-Mitte). 
Ansonsten gibt es eine Knopflochhalbautomatik (A-D), einen Blindstich (3), den "genähten" Zickzack (2), den Dreifachgeradstich (5) eine Art Overlockstich (4) und wofür jetzt (1) gut war, habe ich vergessen (Pulsmessung?). 
(Der grüne Strich war schon vorher auf den Probestoff - sorry.)

Alle Stiche lassen sich in beliebigen Kombinationen in Länge und Breite verstellen, so dass man z.B. aus dem Dreifachgeradstich einen Dreifachzickzack machen kann. 

Der Overlockstich ist allerdings nicht ganz ausgereift. Um ihn sinnvoll einsetzen zu können, müsste man das Nähgut mit der Kante nach links führen, also genau andersherum, als man es gerne macht. Aber: Mit verringertem Nähfußdruck lässt sich Jersey zumindest ordentlich und ohne nennenswerte Überdehnung führen und nähen. 
Hier, unter der Vorderklappe, kann der Nähfußdruck verstellt werden:
Zum Originalzubehör gehörten wohl unter anderem ein großer Anschiebetisch, eine Geradstichplatte (!) und natürlich verschiedene Füße, wie z.B. der Knopflochfuß. Das Zubehör war aber leider bei den Vorbesitzern verloren gegangen. Nun, ich konnte einiges aus meinem Paff-Sammelsurium verwenden, und so war die Maschine tatsächlich ein gutes, robustes und unkompliziertes Nutztier für viele Fälle. An Spulen passen jene "für den kleinen Umlaufgreifer". 

Hier wollte ich nochmal ein scharfes Foto vom kleinen "Doppelten Umlaufgreifer" nachlegen und stellte dabei fest: Oh weh, da hat sich Faden verwickelt! 
Das passiert, wenn man mit eingefädelter Maschine aber ohne Stoff näht. Das sollte man also lieber bleiben lassen! 

Das Pedal: 

In der Bedienungsanleitung ist aufgeführt, wo genau man die Maschine ölen soll. Dazu muss man den Deckel abschrauben. 
Diese Kunststoffräder stehen im Ruf, mit der Zeit unter Materialermüdung zu leiden und dann zu zerbröseln. Bei meiner Maschine machten sie aber zum Glück noch einen recht frischen Eindruck: 
Von unten gibt's jetzt nichts Weltbewegendes zu sehen und zum Aufschrauben gab es eigentlich keinen Grund, so hab ich's gelassen... 
Das Tochterkind braucht nun keine Nähmaschine mehr und so habe ich sie neulich an eine gute Freundin verschenkt. Diese hatte früher schon mal eine Privileg, die dann kaputt ging und entsorgt wurde, aber das Zubehör hat sie aufbewahrt..... Das könnte sich jetzt als praktisch erweisen. Mögen sie und ihre Tochter viel Freude damit haben. 


Sonntag, 16. Juli 2017

SD-Karten-Finder

Immer ist keine SD-Karte, da, wenn er eine braucht, sagt der Mann, der aus beruflichen Gründen öfter mal nach einer sucht. 
Also muss eine Aufbewahrung her, in der die Karte immer griffbereit ist. Am besten am Schlüsselring. 

So nähte ich letzte Woche mal ganz auf die Schnelle und "freischnautze" ein SD-Karten-Ei im angesagten "Shabby-Style". Ohne Verschluss, damit man die Karte ratzfatz und ohne Fummeln und Knöpfen bei der Hand hat. 
Es hat sich zwar schon bewährt, genügt aber meinen ästhetischen Ansprüchen nicht.  
Also habe ich heute nochmal nachgelegt. 
Die Anleitung findet sich im Prinzip hier, allerdings habe ich einen Stoffstreifen von 5,8cm x 25 cm zugeschnitten, damit die Größe passt. 

"Genietete" Plastiksnaps wie beim Original tragen unheimlich auf und klemmen auch mal gerne. Deshalb habe ich einen "normalen", leichten Plastik-Druckknopf aus meiner umfangreichen Knopfsammlung gefischt und aufgenäht. 
Diese Kartenverpackung gefällt mir besser, wobei die Nähte noch deutlich schöner werden können. (Das kommt davon, wenn man für ein paar cm Naht kein Probestück auf der neumodischen Maschine anfertigt, oder einfach noch nicht genug Näherfahrung mit dem Ding hat, oder?) 

Mal sehen, welches der beiden Etuis demnächst bevorzugt zum Einsatz kommt. Dann nähe  ich vielleicht nochmal ein richtig Schönes.... 

Montag, 10. Juli 2017

Garne in grau und blau

Im Juni wurden noch ein paar Wollstränge fertig.... vor meinem Blog steht Zeug im Stau... 
Zwei Stränge Polarfuchs/Islandwolle:

Eine Freundin hatte sich vor einiger Zeit aus diesem Material Socken gestrickt und war davon sehr angetan. Darum wollte ich ihr noch einmal eine Portion "Sockenwolle" spinnen. 

Tja, da hätte ich beim Spinnen vielleicht mal auf die Hände gucken sollen, anstatt auf die Wand, auf der wir in Ermangelung eines Fernsehers ab und zu mal einen Film gucken.
Entstanden ist ein rustikales, strukturiertes und elastisches Garn mit viel Drall. Schön, aber für Socken eher nicht geeignet.... 

Memo: 
Sonata 1 :18, Zwirn: Bliss
ca 205g/335m


Und ein Strang kuschelweiches BFL, ebenfalls ein "Film-Garn" und ebenfalls mit viel Drall und interessanter Struktur, aber deutlich mehr Lauflänge. 
Das käme bestimmt im einem schlichten Tuch sehr schön zur Geltung. 
Memo: 
Kammzug selbst gefärbt (Säurefarben)
Sonata 1 :18, Zwirn: Bliss
ca. 154g/561m


Samstag, 8. Juli 2017

Garn aus der Gruselikste

Aus verbalkosmetischen und psychohygienischen Gründen habe ich ja schon lange keine Gruselkiste mehr. 
Wie die/der geneigte Leser/in meines Blogs schon festgestellt haben könnte, ruhen jene Vorräte an Materialien unbekannter oder verjährter Bestimmung, die zum Teil schon viele Jahre lang in irgendwelchen Ecken, Schränken oder Schachteln schlummern und auf ihre kreative Verwandlung warten, bei mir in: "Dornröschens Schatzkiste". 
Denn die Vorstellung, Schätze aus einer alten Truhe zu heben und ihnen zu neuem Glanz zu verhelfen, ist doch viel schöner als jene, endlich mal den lästigen alten Krempel aufzubrauchen. 

Manchmal bekomme ich ja auch einen Rappel und sortiere großzügig und endgültig aus. 
Und bereue es fast immer kurze Zeit später: Denn dann habe ich plötzlich genau für dieses oder jenes Material die zündende Idee und müsste es im Zweifelsfalle wieder anschaffen.... 

Also pflege ich zur Zeit Dornröschens Schatzkiste und freue mich dann manchmal, sorglos aus dem Vollen schöpfen zu können, wo manch andere/r mühsam in Bastelläden shoppen gehen muss. 

Genug der Vorrede. 
In diesem Post wollte ich ja eigentlich nur das Garn vorstellen, das neulich aus dem Spinnradtest hervorging. 
Der betreffende Kammzug lag bei mir schon lange rum. Er kam nach der Hobby-Auflösung einer Bekannten ins Haus und stammte aus so einer "Faser-Probier-Mischpackung" für Spinnanfänger. Jedes Mal, wenn er mir in die Hände fiel, fragte ich mich, wie man so ein knubbeliges, scheußliches, raues Zeug verkaufen kann, wer sowas kauft und wozu das gut sein soll. Auch habe ich keine Ahnung, um welche Schafrasse oder Herkunft es sich handelt. 
Ich bewahrte die Wolle eigentlich nur deshalb auf, weil ich zum Blumendüngen noch genug dreckige Rohwollreste habe. 

Nun, zu Versuchszwecken war mir das Material jetzt gerade recht. Da muss man ja nicht zwingend seine edelsten Fasern verplempern. 

Und siehe da, obwohl das Zeug ausnahmsweise nicht aus Dornröschens Schatzkiste, sondern tatsächlich aus meiner nicht mehr vorhandenen Gruselkiste kam, verhielt es sich, wie der Frosch im Märchen vom guten Heinrich: Es verwandelte sich unter meinen Händen von einem hässlichen Gebilde zu einem kuschligen Garn mit Charakter. Ich staune. 

Man erlebt doch immer wieder Überraschungen, wenn man sich darauf einlässt. 

Memo: 
Kammzug unbekannter Art, 
Heikes Spinnrad, ca 1:8, kurzer Auszug
ca. 40g/54m

Donnerstag, 6. Juli 2017

Das Schnörkel- Spinnrad oder....




... es muss nicht immer topmodern sein.

Neulich (am 24.6.) kam eine Freundin zu Besuch und brachte ihr neu erworbenes altes Spinnrad mit.

Wir wollten testen, ob es spinnt.

Fazit: Es spinnt - und zwar gar nicht mal so schlecht.

Das Spinnrad hat eine klassische Rahmenbauweise, wie sie auch von sehr alten Rädern bekannt ist.
Es scheint jedoch eine eher "mittelalte" Eigenkonstruktion zu sein, vielleicht aus der 2. Hälfte des 20. Jhd., aus schwer schnörkelig gedrechselten Teilen und schlichten Holzlatten. 
Und es wurde definitiv benutzt.

Für einen ersten Spinnversuch setzten wir den intakten Flügel ein und ich zog einen alten, knubbelreichen Kammzug unbekannter Art aus der Kiste, der mir mal mit irgendeinem Mischpaket ins Haus gekommen war und den ich gar nicht mochte – genau das richtige Material zum "Verhunzen". 
Flugs war die erste kleine Spule fast voll. Und die zweite auch. 

Zum Zwirnen nahm ich den kaputten Flügel. Der geht auch und bietet viel Zwischenraum bis zum Spulenkern. Da könnte man auch noch einen "Berg" draufzwirnen und auf diese Weise mehr Garn draufpacken. 


Nette Details:

Einer der Füße ist per Holzgewinde höhenverstellbar, so dass man dem Spinnrad auf jedem Untergrund zu einem festen Stand verhelfen kann.

Auf der hinteren Rahmenleiste sind drei Metallspieße zur Aufbewahrung der (insgesamt vier) Spulen .
Außerdem gibt es eine extra Lazykate, die jedoch leicht kippt. 

Einer der beiden Flügel ist gebrochen, sein Flügeldorn ist eine Stricknadel!
Der Ersatzflügel passt optisch gut zum Rad und hat versetzte Haken, was ein gleichmäßiges Aufwickeln leicht macht. 

Die Übersetzung liegt bei ca 1 : 8, womit man schon was anfangen kann.

Die Flügelbremse müsste wohl mal erneuert werden. 
Der Einzug war jedoch sehr angenehm und gar nicht ruckelig oder streng. 

Es kostete mich anfangs etwas Mühe, mich an des Treten auf diesem quergestellten Pedal zu gewöhnen und das Schwungrad gleichmäßig in die gleiche Richtung zu bewegen. Als ich den Bogen raus hatte, lernte ich die Konstruktion aber auch gleich schätzen: Durch diese Anordnung des Pedals kann man sich seinen bequemen "Trittwinkel" selber suchen, indem man den Fuß mehr nach rechts oder links schiebt. Außerdem ist die Holzlatte des Rahmens als "Fußstütze" durchaus angenehm. 

Alles in allem ein Spinnrad, mit dem man arbeiten kann. 

Nach dem Probespinnen haben wir das Rädchen dann noch ein bisschen geputzt : ) und schöne Fotos standen an diesem Nachmittag definitiv nicht auf der Todo Liste - sorry.